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New Work ist das Schlagwort der Stunde – aber wird es von den Unternehmen auch in letzter Konsequenz gelebt?

Verena Bauer • 10/09/2021
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Home Office, Agilität, Kollaboration, Flexibilität, Community – die uns aktuell nur zu gut bekannten Begriffe rund ums New Work sind aus den derzeitigen Diskussionen über moderne Arbeitswelten und Büroflächen nicht mehr wegzudenken.

Jeder will es jetzt lockerer, freier, kreativer, stylischer, Teamwork fokussierter haben. Oder fasst das zumindest ins Auge. Aber wie sieht es in der Realität aus? Zieht in die New Work-Begriffe auch wirkliches Büroleben ein? Was wird tatsächlich umgesetzt und gelebt? In Sachen Brand Community, Gesundheit, Raum für spontane Kreativität. Oder auch mit Blick auf ein kinder- und familienfreundliches Büro. Wir haben hinter die Phrasen-Kulissen geschaut. Frank D. Masuhr, Head of Project & Development Services DACH, über das, was Unternehmen aktuell angehen.

 

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Wie setzen Unternehmen den Community- und Gemeinsam-kreativ-Gedanken ganz praktisch in ihren Büroflächen um?

Das passiert aktuell auf zwei verschiedenen Ebenen. Vor allem auf der räumlichen. Viele Unternehmen trauen sich, ihre klassischen Arbeitsplätze ganz bewusst zu reduzieren und dafür mehr Quadratmeter für die Community einzuplanen – für kleine Meetingräume, informelle Besprechungsecken oder ganz atmosphärisch und kreativ gestaltete Loungeecken. Die neben spontanen Gesprächen und gemeinschaftlicher Kreativität auch ganz nebenbei die eigene Marke in Szene setzen und damit ein mehr an Identifikation schaffen. Die Online Office-Galerie officesnaphots.com zeigt, wie weit verbreitet solche Arbeitswelten bereits sind und wie einfach es gehen kann, mehr Community Spirit ins Büro einziehen zu lassen – unser Berliner Büro am Zoo ist da auch ein gutes Beispiel für. Selbst viele der eher konservativeren Unternehmen gehen das Thema mittlerweile aktiv an, werden innovativer und testen Konzepte, die alternative Arbeitsorte im Büro vorsehen. Dabei probiert man gemeinsam aus, welche Tätigkeiten fern vom Schreibtisch eventuell besser funktionieren und welche Räume und Flächen sich am besten für neue Arbeitsweisen eignen.

Und damit die geschaffenen Bereiche auch genutzt werden, versucht man auf zwischenmenschlicher Ebene die Voraussetzungen dafür zu schaffen, lässt neben alltäglichen Aufgaben bewusst Raum – und Zeit – fürs kreative Weiterdenken und Teambuilding und bindet über regelmäßige Teammeetings im Büro alle ein. Außerdem werden auch die Mitarbeiter selbst zunehmend in die Entscheidungen rund um neue Arbeitswelten mit einbezogen. Wir sehen deutlich, dass Umfragen und Evaluationen zu dem Thema immer mehr zunehmen und zum Standard gehören.

 

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New Work steht unter anderem für eine hohe Flexibilität und damit auch einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber wird das jetzt auch verstärkt in letzter Konsequenz mitgedacht – und zwar nicht nur in Bezug auf Arbeitszeiten und mehr Home Office, sondern auch ganz konkret in Plänen für Eltern-Kind-Büroräume oder Flächen für eine firmeneigene Kinderbetreuung? Gehören auch solche Themen für Unternehmen vermehrt mit zu einer zukunftsgerichteten Workplace Strategy? Oder sollte es das zumindest? 

Tendenzen in diese Richtung waren schon vor der Pandemie zu beobachten. Unternehmen, die erst jetzt damit begonnen haben, sich Gedanken zu machen, wie man die Familienvereinbarkeit auch mit Blick auf den Arbeitsplatz verbessern kann, sind eigentlich schon etwas spät dran. Es gibt haufenweise Beispiele dafür, dass Eltern-Kind-Räume weder Platz wegnehmen noch große Kosten verursachen. Multifunktionalität ist hier das Schlagwort. Und viele Unternehmen haben diese schon lange vor Corona bei ihrer Flächenplanung mitgedacht. 

Die firmeneigene Kinderbetreuung ist – bis auf wenige Beispiele – in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Unsere belgischen, niederländischen und vor allem skandinavischen Nachbarn sind da schon deutlich weiter und fortschrittlicher in Denke und Umsetzung. Vielleicht nimmt das Thema hierzulande durch die Pandemie etwas mehr Fahrt auf. Denn erst jetzt sind die Folgen von Unzufriedenheit und Überbelastung massenhaft spürbar geworden und Begriffe wie Human Centric Workplace, Mitarbeiterzufriedenheit und mentale Gesundheit bekommen erstmals wirklich den Stellenwert in den oberen Unternehmensetagen, den sie schon lange verdienen. Wer zufriedene, talentierte, engagierte und zuverlässige Mitarbeiter will, muss sie als Individuen wahrnehmen und behandeln und ihnen für die übertragenen Aufgaben auch die nötigen Voraussetzungen schaffen.

 
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Wo agiert die Mehrheit der Unternehmen noch zögerlich? Und warum?

Durch die Erfahrungen der Pandemie hat es sich bereits oder wird sich noch verändern, aber dennoch agieren viele Unternehmen zögerlich, wenn es um konkrete Home Office-Regelungen und das Schaffen der entsprechenden Voraussetzungen dafür geht. Das liegt teilweise am immer noch weit verbreiteten mangelnden Vertrauen in die Mitarbeiter und Home Office wird zu häufig noch mit Freizeit gleichgesetzt – dabei geht nicht mehr um stur nach Uhr, Arbeit sollte nach dem Ergebnis und nicht mehr nach Anwesenheit bewertet werden. Außerdem herrscht viel Uneinigkeit über die konkrete Anzahl der Home Office-Tage und ob es überhaupt eine offizielle, für alle gültige Ansage dazu geben sollte oder man die Teams selbst entscheiden lässt. Aber wie vermeidet man dann ungleiche Bedingungen? Und auch gesetzliche Regelungen wirken aktuell abschreckend – denn gefühlt ist es vom hybriden Arbeiten nicht mehr weit bis zum kompletten Home Office-Vertrag. Und dann muss der Arbeitgeber den Arbeitsplatz daheim entsprechend der Tätigkeitsanforderungen und ergonomischen Gesichtspunkten ermöglichen.

Auch Desk Sharing-Konzepte werden noch mit Skepsis betrachtet. Die Sinnhaftigkeit dahinter ist jedem klar, man vermeidet unnötigen Leerstand und spart Energie und andere Kosten. Aber traditionell hat sich das Bild des eigenen Schreibtischs mit Familienbildern und Lieblingspflanze tief in unser Bürobild eingebrannt. Entsprechend fürchten einige Unternehmen den Widerstand ihrer Führungskräfte und Mitarbeiter.

Generell fällt es den meisten schwer, sich von räumlichen und zeitlichen Arbeitsgewohnheiten zu lösen. Aber man sollte es versuchen. Denn Arbeit ist kein Ort und auch keine Zeit, sie sollte da und dann passieren, wo sie vom Mitarbeiter und für das jeweilige Unternehmen am effizientesten und effektivsten geleistet werden kann. Ohne dabei den Team Spirit und die Identifikation mit dem Unternehmen zu verlieren.

 


Frank D. Masuhr spricht bei den BIM-Tagen am 20.09.2021 in Berlin darüber, wie eine kreativ-moderne und abwechslungsreiche Büroumgebung unser Denken und Handeln am Arbeitsplatz formt und dafür sorgt, dass wir nicht mehr ins Büro müssen. Sondern wollen. Jetzt hier anmelden und online oder vor Ort teilnehmen.

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